Face2Face sprach mit einem der Gründer von My Möbelstück über die Gründung eines Start-Ups und die Besonderheiten des Unternehmens.

Ein Müsli mit extra viel Schokolade, ein Parfum mit einer bestimmten Duftnote oder ein Sportschuh mit dem eigenen Namen auf der Rückseite. Internetseiten wie My Müsli, My Parfum oder auch das Angebot NikeiD des Sportartikelherstellers Nike beweisen, dass die Zeit der unpersonalisierten Produkte vorbei ist. „Mass Customization“ oder „Kundenindividuelle Massenproduktion“, nennt sich dieser neue Trend, bei dem es Kunden ermöglicht wird, aktiv in die Gestaltung von Produkten einzugreifen.

Von Massenproduktion weit entfernt, jedoch unter ähnlicher Motivation gründeten der Wirtschaftsingenieurwesen-Student Dominic Lindner (24) und der Informationstechnologie-Student Martin Weber (25), das Start-Up My Möbelstück, dessen besonderes Kriterium ein 3D-Konfigurator ist, mit dessen Hilfe Schränke individuell erstellt werden können.

Face2Face sprach mit einem der Gründer von My Möbelstück über die Gründung eines Start-Ups und die Besonderheiten des Unternehmens.

Lindner: Wie schon erwähnt, wird die Möglichkeit Dinge selbst zu designen, immer mehr zu einem großen Trend. Martin und ich haben festgestellt dass es vor allem im Bereich Möbel schön wäre, wenn man sein eigenes Möbelstück gestalten könnte, ohne stundenlang in Möbelhäusern herumzuirren oder sich mit Produkten zufriedengeben zu müssen, die eigentlich gar nicht zu einem passen.

Daraufhin haben wir mit Tischlermeistern gesprochen, deren Vertriebskanäle nicht mehr mit den modernen Standards einhergehen. Wir dachten, es würde sich lohnen, den effizienten Vertrieb für diese Tischlereien zur Verfügung zu stellen. Schließlich haben wir beschlossen das Ganze als einen Online-Konfigurator den Kunden zur Verfügung zu stellen und später mit eben diesen Tischlereibetrieben zusammenzuarbeiten.

Face2Face: Für die Gründung eures Unternehmens habt ihr das Startkapital selbst gestellt. Wann habt ihr gemerkt, dass euer Projekt nicht, wie bei so vielen Start-Ups, zum Scheitern verurteilt ist und sich die Einlage eures Privatvermögens lohnt?

Lindner: Wir begangen zuerst einen Prototyp des Online-Konfigurators zu erstellen, den wir in Absprache mit den Tischlerbetrieben entsprechend gestaltet haben. Als der Tischler meinte, das könnte so funktionieren, haben wir den Konfigurator fertiggestellt. Bis sich eine konstante Menge an Bestellungen eingestellt hatte, war aber immer noch ungewiss ob sich die rund 900 Arbeitsstunden und die Kosten für die Gründung des Unternehmens gelohnt haben. Ein großer Vorteil war jedoch, dass wir alles selbst gemacht haben und nicht auf externe Dienstleister zugreifen mussten.

Face2Face: My Möbelstück gelang es, beim Gründerstipendium des Start e.V. Nürnbergs, sowie beim Thüringer Businessplanwettbewerb schon erste Erfolge zu erzielen. Warum konnte gerade euer Unternehmen überzeugen und sich, vor allem in Nürnberg, gegenüber anderen Mitstreitern behaupten?

Lindner: Was unser Konzept besonders macht, ist in erster Linie der Grundsatz, dass individuelle Möbel auch individuell gefertigt werden sollen. Wir wollen keine Großkonzerne mit unserem Projekt unterstützen, sondern gezielt Kleinbetriebe, die auf traditionelles Handwerk setzen.

Das Gründerstipendium zu erhalten, das umfassende Sachleistungen enthält, jedoch keine Förderung in Form von Geld, hat My Möbelstück überhaupt erst möglich gemacht. Überzeugt hat wohl, dass die Gründerberatung für den Start des Projektes unabdinglich war und die Jury war der Meinung, dass das Stipendium bei My Möbelstück erst sein großen Potenzial entfalten kann. Ohne das Stipendium hätten wir die finanziellen Kosten nie tragen können. Gewonnen haben wir außerdem Leistungen einer Unternehmensberatung, einer Webdesign-Firma, eines Anwalts, Steuerberaters und die Stellung von Büroräumen, die wir mehrmals die Woche nutzen dürfen – alles Dinge, die das Projekt entscheidend vorangetrieben haben.

Face2Face: Der Mix aus Wirtschaft und Informatik scheint für eine Unternehmensgründung von großem Vorteil zu sein. Gibt es bei euch eine Einteilung der Aufgaben?

Linder: Während ich für den kreativen Teil und die Ideen für das Projekt verantwortlich war, übernahm Martin den analytischen Teil sowie die Lösung von logischen Problemen. Haben wir am Anfang den Konfigurator noch zusammen programmiert, kümmere ich mich derzeit eher um die betriebswirtschaftlichen Belange und Martin um die Programmierung. Ein Faktor, auf die wir derzeit unser Augenmerk legen ist die Gewinnoptimierung durch Kostenreduktion.

Nicht nur in Privathaushalten beliebt: Ein individualisiertes Möbelstück in einem Hotel (Foto: Lindner) Face2Face: Der Einsatz von Social Media wird, auch für größere Firmen, immer attraktiver. Wie konnte sich euer Start-Up diese vielseitigen Funktionen zunutze machen?

Lindner: Social Media ist in der Tat der Hauptkanal von My Möbelstück, über den wir Neuigkeiten und auch Werbung schalten. In Facebook zum Beispiel investieren wir den Hauptteil unseres Marketingbudgets. Dort angebotene Filter führen zu einer Zielgruppendefinition, die es ermöglicht für relativ wenig Geld die richtigen Leute zu erreichen. Das Feature, dass man seinen erstellten Schrank auf Facebook und somit mit seinen Freunden teilen kann, hatte außerdem einen riesen Effekt.

Face2Face: Wie geht es in Zukunft mit My Möbelstück weiter? Plant ihr euer Produktsortiment zu erweitern und zu expandieren?

Lindner: Jetzt wo sich unser bisheriges Produktsortiment etabliert hat, beabsichtigen wir in naher Zukunft dieses zu vertiefen und in Zukunft auch Eckschränke, -Tische und -Stühle anzubieten. Außerdem haben wir eigene Möbelkollektionen erstellt, die man aber trotzdem noch individuell anpassen kann. Damit wollen wir der Kreativität der Kunden auf die Sprünge helfen, da viele Menschen die vielseitigen Möglichkeiten unseres Online-Konfigurators gar nicht auszuschöpfen wissen. Dabei berücksichtigen wir vor allem aktuelle Trends.
Auf langfristige Basis beabsichtigen wir auch, den Produktmix zu erweitern, wie zum Beispiel Dekorationsartikel anzubieten. Unser Ideenreichtum und gesteckten Ziele sind noch lange nicht ausgeschöpft.

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